Interview mit Ulrike Zimmer, Vorstandsmitglied im OV Hexental und grüne Gemeinderätin in Merzhausen
Wie bereits bei der letzten Kommunalwahl spielt Merzhausen auch dieses Jahr wieder eine Spitzenrolle: mit 34,06% der Stimmen ist es die Gemeinde in Baden-Württemberg, in der die Grünen am allerbesten abgeschnitten haben – selbst besser noch als in den Unistädten. Mit fünf Sitzen im Gemeinderat stellen die Merzhausener Grünen zudem nun die stärkste Fraktion vor der CDU. Sind die Grünen in Merzhausen nun »Volkspartei«?
1994 hatten die GRÜNEN im Gemeinderat schon einmal genau so viele Mandate wie die örtliche CDU. Damals war es gelungen, viele bürgerliche Stimmen zu mobilisieren durch die Aufstellung einer Liste mit Kandidaten, die sich im Dorf ehrenamtlich in den verschiedensten Bereichen engagierten.
Dies hat sich fortgesetzt, zwar mit Einbrüchen 1999 und 2004, aber nun 2009 wieder mit einer starken Liste auf diesem hohen Niveau gefestigt. Ob wir eine »Volkspartei« geworden sind, lassen wir lieber offen. Sicher sind
wir jetzt zu einem bestimmenden Faktor der Merzhauser Lokalpolitik geworden.
Welche Faktoren waren aus deiner Sicht ausschlaggebend für den Wahlerfolg?
Den GRÜNEN in Merzhausen ist es gelungen, örtliche Themen aufzugreifen, die die Bürger bewegen. Wir haben uns z.B. mit großem Aufwand und letztlich mit Erfolg 2004 für den Erhalt des Hallenbades eingesetzt. Das Bad wird jetzt unter Beteiligung vieler Bürger von einer gemeinnützigen GmbH betrieben. Das ist (als Hallenbad!) einmalig in Deutschland und ein Vorbild für andere Gemeinden.
Jetzt, im Jahr 2009 haben wir die Bedenken der Bürger zum Bau einer als zu groß empfundenen neuen Dorfmitte (Investitionsvolumen 13,5 Mio €) aufgegriffen. Einen unfairen Leserbrief eines Mitarbeiters der Verwaltung konnten wir erfolgreich und auch presseöffentlich zurückweisen. Das hat uns wahrscheinlich zum Schluss des Wahlkampfs noch mal einen Schub nach vorn gebracht.
Honoriert wurde uns von den Wählerinnen und Wählern sicher auch, dass es uns gelang immer sachlich zu bleiben.
Auch in der letzten Legislaturperiode waren die Grünen in Merzhausen ja bereits sehr stark. Und auch wenn es bei der Bürgermeisterwahl nicht geklappt hat, so gab es doch eine realistische Chance auf eine grüne Bürgermeisterin oder einen grünen Bürgermeister in der Gemeinde. Wie macht sich ein starker grüner Stimmenanteil im Ort und in der örtlichen Politik bemerkbar?
Der scheidende Bürgermeister Isaak hat bei unserem 25-jährigen Jubiläum gesagt: »Als die Grünen 1984 erstmals mit drei Sitzen in den Gemeinderat einzogen, hat man dies lächelnd heruntergespielt und gemeint, es handele sich um eine vergängliche Episode. Da hat man sich gründlich getäuscht – die Grünen sind heute eine wichtige und anerkannte Kraft im Gemeinderat«.
Das drückt sicher am besten aus, wo wir heute stehen. Die Grünen sind in der Dorfgemeinschaft längst aufgenommen. Auch im Gemeinderat werden wir nun eine neue Rolle spielen.
Wer sitzt in der neuen Fraktion? Was ist von ihr zu erwarten?
Neben den bisherigen Gemeinderäten Ulrike Zimmer (seit 1996), Walter Menzel (seit 2001) und Hubert Imberi (seit 2007) rückt Gabriele Bastian neu in den Rat, die im Dorf in vielen Bereichen sehr aktiv ist. Außerdem Walter Witzel (Gemeinderat von 1984 bis 2001), der mit dem drittbesten Gesamtergebnis den sofortigen Wiedereinzug in den Rat geschafft hat. Auf sein Fachwissen und seine Kompetenz freut sich die gesamte Fraktion.
Mit einem neu gewählten, jungen Bürgermeister beginnt in Merzhausen und dem neuen Gemeinderat eine neue Ära. Mit unserem traumhaften Ergebnis können wir dazu beitragen, diese entscheidend mitzubestimmen. Dieser großen Herausforderung und Verpflichtung stellen wir uns gerne.
Bei der Europawahl haben Bündnis 90/Die Grünen ja nicht nur in Merzhausen, sondern auch in weiteren Hexentalgemeinden Ergebnisse deutlich über 25 % geholt. Dort sind allerdings bisher kaum Grüne vor Ort aktiv. Welche Rolle spielen Au, Wittnau, Sölden und Horben für euch?
Obwohl der Grünen-Anteil in den anderen Hexentalgemeinden auf hohem Niveau steht, gibt es dort keine eigenen Grünen Listen, da diese wie in vielen ländlich geprägten Regionen, traditionell keine Parteilisten aufstellen. Dennoch gibt es einige grünnahe Wählervereinigungen, mit deren Vertretern guter Kontakt besteht.
Vielen Dank für das Interview!