Bürgermeister im Kreistag: Breisgau-Hochschwarzwald ganz vorne dabei
PRESSEMITTEILUNG der Fraktion GRÜNE im Landtag von Baden-Württemberg, Nr. 331/2009
Uli Sckerl: »Kreistage dürfen keine Bürgermeisterrunden werden«
Immer mehr Gemeindeoberhäupter in Baden-Württemberg kandidieren bei den Kreistagswahlen und werden aufgrund ihres hohen Bekanntheitsgrads dann auch gewählt. Dies ist das Ergebnis eines Antrags der Grünen, der jetzt vom Innenministerium beantwortet wurde. Der kommunalpolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion Uli Sckerl. »Der Anteil der Bürgermeister in den 35 Kreistagen wächst von Wahl zu Wahl. 2009 wurde mit einem landesweiten Durchschnitt von 30,4 % Bürgermeisteranteil an der Zahl aller Kreisräte ein neuer Rekord aufgestellt. Die Bürgermeister drücken damit den Kreistagen immer mehr ihren Stempel auf.«
Der Landtagsabgeordnete der Grünen, seit 25 Jahren selbst Kreisrat im größten Landkreis Rhein-Neckar, weiß aus Erfahrung, dass ein hoher Bürgermeisteranteil Spuren hinterlässt. Die Verzahnung gegenseitiger Abhängigkeiten von Landräten und Bürgermeistern sei für die kommunale Demokratie nicht förderlich. »Der Landrat übt die Rechtsaufsicht über die kreisangehörigen Gemeinden aus, deren Bürgermeister wiederum als Kreisräte die Tätigkeit des Landrats kontrollieren sollen. Das versperrt naturgemäß manchen kritischen Blick auf die Kreisverwaltungen, aber auch auf die Rathäuser. Da ist längst Sand im Getriebe, bei einem 30-Prozent-Anteil der Bürgermeister wird eine rote Linie überschritten«, so Uli Sckerl. Insgesamt gebe es beim Blick in die 35 Landkreise noch ein Gefälle. So haben die Landkreise Ortenau und Breisgau-Hochschwarzwald mit 45,5% und 45% die höchsten Bürgermeisterquoten. 18 der 35 Landkreise liegen bei 30 % und mehr. Nur 2 Landkreise blieben noch unter einem 20%-Anteil.
Die Bilanz der Kreistagswahlen gebe nun Anlass, sich erneut mit der Frage zu beschäftigen, »wie viele Bürgermeister ein Kreistag verträgt«. Wenn selbst der Landtag ab 2016 eine Unvereinbarkeit von Bürgermeisteramt und Abgeordnetentätigkeit vorsehe, gebe es begründeten Anlass, diese Frage für die Kreistage unvoreingenommen zu prüfen. »Niemand kann Interesse daran haben, dass die Kreistage immer mehr zu Bürgermeisterrunden werden. Schließlich gibt es parallel in allen Landkreisen die regelmäßigen Dienstversammlungen der Bürgermeister, deren Einfluss auf die Landräte traditionell groß ist. Auch ohne Sitz im Kreistag können Bürgermeister die Interessen ihrer Gemeinden wirkungsvoll vertreten«, sagte der Grünen-Sprecher abschließend.
Erstellt am Montag, 26. Oktober 2009
Kategorie: Kreistagsfraktion, Neu & interessant, Unsere Abgeordneten | Kommentieren »



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